Stil kann man haben – muss man aber nicht

Kürzlich haben die Tollste aller Frauen und ich einen Kurzurlaub in einem Vier-Sterne-Hotel verbracht. Nun ist die Tollste aller Frauen auch die Sparsamste aller Frauen, deshalb kam der Kurzurlaub aus dem Urlaubskatalog eines Discounters. Was einige Nebenwirkungen hatte.

Zuerst ein ungutes Bauchgefühl – schließlich sind wir sonst Ferienwohnung-an-der-Grenze-zum-Camping-Urlauber; eine mondänes Bad liegt Klassen über unserer normalen Gesellschaftsklasse. Was macht man sich da nicht für Gedanken: Fällt man auf wie ein bunter Hund, wenn man aus drei Gabeln erst im vierten Anlauf die richtige herausfindet? Kann man für die falsche Farbe der Krawatte eigentlich aus dem Hotel geworfen werden? Ist die Bestellung hochprozentigen Alkohols vor zwanzig Uhr eine Straftat? Oder ist es Pflicht?

Vier Sterne sind Vier Sterne. Und so machten meine Göttergattin und ich uns Gedanken über den korrekten Dresscode in einem Etablissement, das mehr Sterne als die Milchstraße hat. Statt die übliche die wir sonst in unseren eher wanderlastigen Reisen tragen – bequeme Hosen mit vielen Taschen und atmungsaktive T-Shirts musste es diesmal auf Befehl – Entschuldigung: Hinweis meiner Gattin – eine Stoffhose und Hemd mit Bügelfalte sein.

Entgegen aller Bedenken fügten wir uns recht gut in das Gesamtbild ein.

Morgens beim Frühstück wurde klar, dass all diese Bedenken umsonst waren. Offensichtlich stammen meine Ansichten über korrekte Benimmregel aus der klassischen Literatur des vorigen Jahrhunderts. Die Zeiten ändern sich. Anzug ist Anzug. Und ein Addidas-Trainingsanzug ist auch ein Anzug.

Was wieder einmal beweist: Viele Sorgen macht man sich völlig umsonst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll to top